Dach
Ein Arbeiter isoliert ein Dach von innen mit Klemmfilzen

Dach isolieren

Aufgrund der strengen Vorschriften im schweizerischen Energiegesetz EnG gehört neben Perimeter- und Fassadendämmung die Dachisolierung zu den häufigsten Wärmedämmvorhaben in der Schweiz.

4 Februar 2016

Doch gerade beim Dach isolieren stehen Auftraggeber und Hausbesitzer schnell vor einigen verwirrenden Fragen. Wegen sich verändernder Baustandards entstehen nämlich zusätzlich zum eigentlichen Dach isolieren weitere Fragen, was den Umfang der Dämmungsarbeiten betrifft.

Aufbau von Dächern und der Dachisolierung

Um das besser zu verstehen, wollen wir zunächst die wohl bedeutendste Unterscheidung machen: bis vor einigen Jahren war das Kaltdach der anerkannte technische Baustandard. Inzwischen ist es jedoch das Warmdach. Der Unterschied lässt sich schnell erklären: das Kaltdach ist mehrschichtig mit einer Luftzirkulationsschicht ausgeführt, das Warmdach dagegen ein einschichtiger Verbund von Dachhaut, Dämmung und Trägerelementen (Dachstuhl).

Bis nach der Jahrtausendwende konnten Warmdächer nur sehr schwer ausgeführt werden, da die gesamte Haustechnik und viele Baustoffe einfach noch nicht so weit waren. Das traditionelle Prinzip eines Hauses baut darauf auf, dass Luftaustausch und Entfeuchtung ungesteuert funktionieren, also über eine nicht völlig dichte Gebäudehülle. Eine maximale Energieeffizienz kann aber nur erreicht werden, wenn absolut keine Wärme mehr aus dem Haus gelangt.

Entsprechend der Aufbau von Energieeffizienzhäusern. Die Entlüftung erfolgt hier über eine zusätzlich integrierte Entlüftung, die mit einer Wärmerückgewinnungsanlage gekoppelt ist. Weil hocheffiziente Energiesparhäuser nur nach diesen Prinzipien gebaut werden können, ist das Warmdach heute der technisch anerkannte Baustandard. Dem stehen aber zahllose Kaltdächer aus dem Bestand gegenüber. Daher muss beim Dach isolieren eines Bestandsgebäudes mit Kaltdach auch darüber nachgedacht werden, ob es insgesamt und langfristig nicht preisgünstiger ist, das Dach isolieren gleich mit dem Umbau zum Warmdach zu verbinden.

Dach isolieren – Fördermittel abfragen und Zustand des Dachs überprüfen

Das schweizerische Gebäudeprogramm stellt zum Dach isolieren im nationalen und kantonalen Teil unterschiedliche Fördermittel bereit, die Dämmvorhaben und entsprechende Haustechnik begünstigen. Letztendlich ist es aber immer eine Entscheidung durch den versierten und erfahrenen Fachmann, wie das Dach isoliert werden soll – am bestehenden Kaltdach oder bei gleichzeitigem Umbau zum Warmdach. Darüber hinaus spielen auch der Zustand des Dachstuhls und weitere Bauvorhaben eine wichtige Rolle.

Unbedingt die Zukunftsplanung berücksichtigen

Entscheidend sind hier auch die weiteren Planungsvorhaben der Zukunft. Soll das Dachgeschoss ausgebaut werden oder nicht? In diesem Fall (und zumeist, wenn der Zustand der Dachstuhlsubstanz auch nicht mehr so gut ist) kommt eventuell auch ein Austausch des Dachstuhls gegen eine andere Variante ins Spiel. Grundsätzlich unterscheiden wir (neben einigen darauf basierenden Weiterentwicklungen wie den Kehlbalkendachstuhl) folgende Dachstuhlvarianten:

  • Sparrendachstuhl
  • Pfettendachstuhl
  • Kombination daraus

Sparrendachstuhl und Pfettendachstuhl

Beim Sparrendachstuhl wird das Gewicht des Dachs auf die Aussenmauern, also die Fassade über Ringbalken oder Drempel (auch Kniestock) abgeleitet. Die Sparren haben hier die Aufgabe, das Gewicht abzuleiten und sind massiv statisch belastet. Daher können für Dachfenster, Dachgauben oder Türen Sparren kaum ausgebaut und umgeleitet werden.

Das Pfettendach dagegen leitet das Gewicht über Stützbalken ab, die über den Grundriss verteilt sind. Diese Stützbalken müssen in einen Wohnungsgrundriss integriert werden und sind nicht zu entfernen. Dafür können die Sparren weitläufig auch für grosse Öffnungen für Gauben usw. herausgenommen werden. Die weitere Hausplanung sollte also unbedingt vor dem Dach isolieren mit in die Dämmplanung einbezogen werden.

Methoden das Dach zu isolieren – Untersparrendämmung – Aufsparrendämmung – Zwischensparrendämmung

Es gibt die folgenden Möglichkeiten zum Dach isolieren:

  • Untersparrendämmung
  • Zwischensparrendämmung
  • Aufsparrendämmung / Aufdachdämmung
  • Dachgeschossboden dämmen

Die Aufsparrendämmung oder Aufdachdämmung wird in der Regel dann angewandt, wenn ein gleichzeitiger Umbau zum Warmdach erfolgen soll. In den meisten Fällen und beim Erhalt eines Kaltdachs wird die Zwischensparrendämmung präferiert. Jedoch sind die Dimensionierungen oft nicht ausreichend (Stärke der Sparren). Dann wird entweder eine Zwischensparrendämmung mit einer anschliessenden (kombinierten) Untersparrendämmung oder ein Doppeln der Sparren vorgenommen.

Beim Doppeln der Sparren werden einfach weitere Holzprofile an den Sparren befestigt und somit der Zwischenraum tiefer gemacht, damit eine ausreichend starke Dämmung vorgenommen werden kann. Da dann aber ein grosses Risiko von Wärmebrücken an den Sparren besteht, wird eine andere Variante bevorzugt; die bereits erwähnte Kombination aus Zwischen- und Untersparrendämmung. Der Vorteil besteht darin, dass die nun noch benötigte Lattung quer zu den Sparren befestigt wird, um Kältebrücken zu verringern oder völlig zu neutralisieren.

Dämmmaterialien beim Dach isolieren

Als Dämmmaterial kommen unterschiedliche Materialien infrage:

  • Aufsparrendämmung: EPS-Dämmplatten oder andere geschäumte Dämmplatten
  • Zwischensparrendämmung: Klemmfilz, eingeblasene und gut verdichtete Zellulose, Steinwolle
  • Untersparrendämmung: Dämmplatten wie EPS-Platten, andere Verbundplatten wie Holzfaser- oder Holzspanplatten usw.

Aufbau einer Zwischensparrendämmung beim Dach isolieren

Insbesondere bei der Zwischensparrendämmung ist wichtig, dass zwischen Dämmstoff und Sparren keine offenen Fugen entstehen. Daher wird hier vorzugsweise Zellulose oder Klemmfilz benutzt. Bei der Untersparrendämmung ist das Dämmmaterial auch vom weiteren Vorgehen abhängig. Oft wird das Dach isolieren mit einem Dachgeschossausbau verbunden. Dabei bieten sich Trockenbauelemente und in der Folge natürlich EPS-Platten an.

Wichtig ist aber auch der weitere Aufbau beim Dach isolieren. Bei einem Warmdach kommt eine Dampfsperre, beim Kaltdach eine diffundierende Dampfbremse zum Einsatz. Weil die Zwischensparrendämmung beim Dach isolieren am häufigsten angewandt wird, hier der Aufbau:

  • Sparren, dazwischen mit Dämmung (Klemmfilz, Zellulose usw.)
  • Dampfbremse (Folie), an den Enden luftdicht verklebt
  • weiterer Innenausbau oder quer dazu eine Untersparrendämmung

Eigenleistung beim Dach isolieren versus Fachbetrieb

Natürlich bietet sich das Dach isolieren geradezu für den versierten Heimwerker an. Dennoch sollte immer bedacht werden, dass Dampfbremse oder Dampfsperre absolut genau montiert werden müssen. Beim Dämmen mit Klemmfilzen kann das auch der Heimwerker gut selber machen. Soll aber Zellulose eingeblasen werden, wird es schwieriger. Ohne entsprechende Fachkenntnisse und Erfahrungen entstehen in den Zwischenräumen Leerräume, die somit zur Wärmebrücke werden und die Wärmedämmung massiv beeinträchtigen können.

Wer sich unsicher ist, sollte das Dach isolieren dem Fachmann überlassen

Kurzum – auch bei der Dachisolierung können durch den Laien viele Fehler gemacht werden, die sich dann negativ auswirken, weil die Heizkosten deutlich mehr gesenkt werden könnten. Explizit das Anbringen einer Dampfsperre oder Dampfbremse, aber auch Anschlussfugen an Dachfenstern und Gauben, die Öffnungen für Elektro- und Sanitärinstallation gehören zu den anspruchsvollen Arbeiten, die beim Dach isolieren durchzuführen sind. Hausbesitzer sollten es sich also sehr genau überlegen, ob sie dieses Risiko durch selber Dach isolieren eingehen wollen. Alternativ dazu bietet es sich aber an, die einfachen Aufgaben selbst zu übernehmen.

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