Dämmung
Mutterschaf mit Lämmern -

Naturdämmstoffe

Die energetische Dämmung ist nach wie vor einer der wichtigsten Faktoren beim Hausbau. Doch während in den letzten Jahrzehnten vornehmlich der energieeinsparende, also der wirtschaftliche Nutzen im Fokus stand, rückt nun das ökologische Bauen immer mehr in den Mittelpunkt. Neben einigen anderen Aspekten ist das der hauptsächliche Grund dafür, weshalb Naturdämmstoffe bei der Wärmedämmung von Bestands- und Neubauten von wachsender Bedeutung sind.

24 Januar 2016

Was sind Naturdämmstoffe?

Schwachstellen der Wärmedämmung werden mit einer Wärmebildkamera dargestellt.

Schwachstellen der Wärmedämmung werden mit einer Wärmebildkamera dargestellt.

Die Definition von Naturdämmstoffen kann unterschiedlich betrachtet werden. So fallen eigendlich auch mineralische Dämmstoffe in die Kategorie Naturdämmstoffe. Allerdings sind diese mineralischen Wärmedämmstoffe mit einem ähnlichen Problem verknüpft wie synthetische Dämmstoffe – ihre Ressourcen sind stark begrenzt und endlich. Sollen ökologisch wertvolle Naturdämmstoffe eingesetzt werden, lassen sich diese weiter eingrenzen als nachwachsende pflanzliche und tierische Dämmstoffe. Allerdings muss auch hier genau unterschieden werden, schliesslich konkurrieren verschiedene Naturdämmstoffe im Anbau dabei um Anbauflächen, die womöglich für die Nahrungsproduktion benötigt werden bzw. dafür entfallen.

Vor- und Nachteile von Naturdämmstoffen

Damit stellt sich der erste Nachteil ein, der durch natürliche Wärmedämmstoffe gegeben ist. Dennoch schneiden diese Naturdämmstoffe in der umfassenden Ökobilanz deutlich besser als andere Materialien ab. Allgemein betrachtet sind die natürlichen Dämmstoffe in der Produktion, in der Nutzungsphase und auch beim Recycling erheblich vorteilhafter als andere Dämmmaterialien.

Betrachtet man beispielsweise organische und auch mineralische Dämmstoffe in der Produktion, sind diese dort bereits sehr kostenintensiv. Beim Recycling ist darüber hinaus bekannt, dass diese Wiederverwertung in nahezu allen Fällen ein Down-Cycling darstellt, also aus einem hochwertigen Produkt ein deutlich weniger hochwertiges Produkt entsteht. Ergänzend darf hier der Energiebedarf nicht unterschätzt werden.

Baulich betrachtet wäre der wohl erheblichste Nachteil, dass die Wärmeleitfähigkeit der meisten Naturdämmstoffe deutlich höher ist gegenüber anderen Dämmstoffen. Dadurch ergeben sich stärkere Aufbauhöhen. Durchschnittlich verdoppelt sich die Aufbauhöhe. Wo also die Aufbauhöhe stark begrenzt ist, sollte eher auf herkömmliche, konventionelle Wärmedämmstoffe zurückgegriffen werden.

Eine weitere Eigenschaft kann als Vorteil, aber auch als Nachteil betrachtet werden – wobei der positive Aspekt eindeutig überwiegt. Abgesehen von sehr wenigen Naturdämmstoffen (beispielsweise Blähton oder Schaumglas) können diese Materialien verhältnismässig viel Feuchtigkeit aufnehmen und schnell wieder abgeben, können aber nicht permanenter Feuchtigkeit oder Nässe ausgesetzt werden. Die Einsatzmöglichkeiten zum Beispiel in der Perimeterdämmung sind damit auf die bereits genannten Materialien begrenzt.

Brandgefahr und Zusätze gegen Schädlinge und Schädlingsbefall

Doch gegenüber der weit verbreiteten Meinung, dass Naturdämmstoffe besonders anfällig für Schädlingsbefalls wären, kann dieser sehr gut verhindert werden. Je nach verwendetem Material werden selbst bezüglich der Entzündungsgefahr Kategorien wie „schwer entzündlich“ erreicht. Seegras gehört zu diesen Produkten. Je nach Produkt und Einsatzanforderungen können die Dämmmaterialien unterschiedlich gegen Brandgefahr, Schädlingsbefall und Schimmel geschützt werden. Holzwolle-Leichtbauplatten (HWL) und Dämmstoffe aus Holzhobelspänen können mit Borsalzen, Molke, Soda oder Zement geschützt, Ammonium- und Aluminiumsulfat oder Paraffin wiederum kann bei Holzfaserprodukten eingesetzt werden. Das bereits erwähnte Seegras ist sogar gegen sämtliche Schädlinge und Schimmelsporen immun, ausserdem nicht bis sehr schwer entzündlich.

Unterteilung der Naturdämmstoffe nach Herstellung und Verwendungsmöglichkeiten

Wie andere Dämmstoffe kann auch diese ökologisch wertvolle Wärmedämmung unterschiedlich verarbeitet werden. Lose lassen sich Naturdämmstoffe schütten oder einblasen wie zum Beispiel die Zellulosedämmung. Andere ökologische Wärmedämmstoffe wie zum Beispiel Hanfdämmung oder Hanfwolle-Dämmung kann zu Dämmplatten gepresst werden. Schafwolle als Dämmung wiederum lässt sich hervorragend in Zwischenräume hinterfüllen.

Andere Dämmplatten wie die Holzfaserdämmplatten (auch HWL-Platten) werden mit Zement vermengt, gepresst und härten dann aus. Dadurch entsteht ein hochwertiger Brand- und Schädlingsschutz, diese Platten eigenen sich selbst zum Verputzen. Die unterschiedlichen Dämmprodukte aus Naturstoffen werden auch dann eingesetzt, wenn noch andere Anforderungen zu erfüllen sind. So ist neben der Wärmedämmung der Schallschutz bei zahlreichen Naturdämmstoffen wie Kokosfasern, Holzspänen usw. sehr gut.

Der außergewöhnliche Naturdämmstoff Schafwolle

Besonders hervorzuheben als Dämmmaterial wäre Schafwolle. Explizit im Innenbereich geht es nicht nur um die reine Wärmedämmung. Vielmehr ist die gleichzeitige Steuerung der Luftfeuchtigkeit von herausragender Bedeutung, um ein angenehm wohliges Wohnklima zu schaffen. Mit der Steuerung der Luftfeuchtigkeit steigt auch der Wohnkomfort deutlich. Schafwolle eignet sich besonders gut, da sie deutlich über 30 Prozent an Feuchtigkeit aufnehmen und schnell wieder abgeben kann.

Neben der losen Verarbeitung wird Schafwolle auch zu Dämmfilzen und Dämmplatten verarbeitet. Wird die Dämmung nicht mehr benötigt, ist die Schafwolle sogar mehr als nur biologisch abbaubar; sie ist biologisch wertvoll, da sie für das Erdreich wichtige Stoffe enthält und beim Abbau Stickstoff und Phosphor freigibt. Darüber hinaus ist Schafwolle so gesund und wohltuend, dass die Filzmatten auch in Betten und hochwertigen Matratzen zum Einsatz kommen, nicht zu vergessen die einfache und schonende Gewinnung.

Naturdämmstoffe nach Einsatzmöglichkeiten

Mineralische Naturdämmstoffe

Der Einsatz von mineralischen Wärmedämmstoffen erfolgt in nahezu allen Bereichen, also innen und auch aussen. Gegenüber nachwachsenden Rohstoffen besteht in der Regel weder eine Brandgefahr noch das Risiko eines Schädlingsbefalls. Zudem können mineralische Dämmstoffe auch extremen Bedingungen wie Erdkontakt und Witterung ausgesetzt werden. Dazu kommt, dass mineralische Dämmprodukte wie beispielsweise bei Wärmedämm-Verbundsystemen auch diffusionsoffen, also dampfdurchlässig sind, und damit die bauphysikalischen Eigenschaften positiv beeinflussen.

Nachwachsende pflanzliche Naturdämmstoffe

Zunächst wurden viele dieser Dämmmaterialien besonders bei Altbauten eingesetzt, besonders, um die Renovierung oder Restaurierung möglichst authentisch durchzuführen. Dazu kommt aber auch, dass viele Altbauten wie zum Beispiel Fachwerkhäuser, mit Naturdämmstoffen besonders effizient und gesund für die Bausubstanz gedämmt werden können. Die ökologische Dämmung für Neubauten ist oftmals ein buchstäbliches Kopieren dieser alter Verarbeitungs- und Dämmtechniken. Neben der Dämmwirkung ist es auch die vorteilhafte Regulierung der Luftfeuchtigkeit, die oftmals ausschlaggebend ist. Dazu kommt aber eine ebenso hohe Wärmedämmwirkung; Flachs beispielsweise hat dieselben Wärmeleitfähigkeitswerte wie Polystyrol (knapp 0,040 Watt pro Meter und Kelvin), doch beim ökologischen Aspekt ist Polystyrol eindeutig im Nachteil.

Einsatzbeispiele unterschiedlicher Naturdämmstoffe

  • Bei der Fassadendämmung von außen kommt eine Dämmung mit WDVS Dämmplaten aus natürlichen Dämmstoffen wie Holzfaserplatten, Holzwolledämmplatten, Kork, Schilf usw in Frage. Eine Dämmung von innen können Holzfaserdämmplatten, Hanf, Flachs, Kork, Holzspäne, Zellulose oder Kokosfasern verwendet werden.
  • Die Dachdämmung von außen oder innen kann mit Schafwolle, Schilf (Reet), Flachs, Hanf, Gras, Stroh, Kork, Zellulose oder Kokosfasern erfolgen.
  • Bei der Perimeterdämmung (nicht Drainage) von außen ist die Verwendung von Blähton oder Schaumglas möglich. In diesem Fall wird der Naturdämmstoff geschüttet.
  • Für die Bodendämmung oder Deckendämmung kommt der Einsatz von Holzwolleleichtbauplatten, Holzfaserdämmplatten, Schafwolldämmung, Holzspäne, Kokosfasern, Holzfasern, Seegras, Kork oder Zellulose in Frage

TEILEN:

Kommentar verfassen

  1. Pingback: WDVS - Wärmedämmverbundsystem | Bauen und Wohnen in der Schweiz

  2. Pingback: Zellulosedämmung | Bauen und Wohnen in der Schweiz

  3. Pingback: Kellerdecke dämmen | Bauen und Wohnen in der Schweiz

  4. Pingback: Dämmstoffe Übersicht | Bauen und Wohnen in der Schweiz

  5. Pingback: Schafwolldämmung | Bauen und Wohnen in der Schweiz

  6. Pingback: Hanfdämmung | Bauen und Wohnen in der Schweiz