Dämmung
Zellulosedämmung im Dach

Zellulosedämmung

Neben den sehr guten Wärmedämmwerten, einer hervorragenden Ökobilanz und einem attraktiven Preisniveau überzeugt die Zellulosedämmung ähnlich wie Schafwolldämmung in zahlreichen weiteren Bereichen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen lässt sich die Zellulosedämmung fast überall anwenden.

24 Januar 2016

Was ist Zellulosedämmung?

Zellulose begegnet uns in unterschiedlichen Produkten im Alltag. Zum Beispiel besteht Papier aus Zellulose. Aber auch Tapetenkleister und weitere Produkte basieren auf Zellulose. Biologisch betrachtet bestehen die Zellwände von Pflanzen zum Großteil aus Zellulose. Die für die Wärmedämmung verwendete Zellulosedämmung wird in der Regel aus altem Zeitungspapier gewonnen und ist damit ein umweltfreundlicher Dämmstoff. Mit speziellen Luftstrommühlen wird das Altpapier zerfasert, während gleichzeitig Zusatzstoffe wie Borsalz oder Aluminiumsulfat gegen Schädlingsbefall und als Brandschutz zugeführt werden. Von allen natürlichen und organischen Naturdämmstoffen kommt die Zellulosedämmung auf die beste Ökobilanz, da die Primärenergiekosten für die Herstellung extrem niedrig ausfallen.

Einblasdämmung und Dämmplatten

Die wohl bekannteste Verwendung ist die lose Zellulosedämmung, die als Einblasdämmung eingebracht wird. Dabei werden die Zelluloseflocken mithilfe eines Dosierers in Zwischenräume eingeblasen und gleichzeitig optimal verdichtet. Diese Zellulosefasern können aber noch anderweitig verarbeitet werden. Neben den losen Fasern wird Zellulose ebenso zu Wärmedämmplatten gepresst. Zellulose ist dabei in jeder Form sehr langlebig, selbst Feuchtigkeit kann das Material nicht zersetzen. Daher setzt sich die vorbildhafte Ökobilanz beim Ausbau oder Rückbau fort, da eine Zellulosedämmung auch dann genauso weiter verwendet werden kann. Jedoch sind die Fasern so klein, dass beim Verarbeiten Sicherheitsmaßnahmen zu treffen sind, da kleinste Zellulosefasern in die Lunge gelangen können.

Vor- und Nachteile der Zellulosedämmung

Trotz der Zusätzen zur Zellulose, die die Entflammbarkeit senken sollen, werden Zelluloseplatten und auch Zellulose als Einblasdämmung der Baustoffklasse B2, also normal entflammbar eingestuft. Im Sinne des Brandschutzes gibt es also durchaus bessere Dämmstoffe. Ein weiterer Nachteil ist in der Beschränkung bei den verschiedenen Dämmbereichen zu sehen. So kann die Zellulosedämmung nicht als Perimeterdämmung oder Kerndämmung von zwei- oder mehrschaligen Wänden verwendet werden. Aufgrund der enormen Langlebigkeit und der Entstehung von Feinstaub ist Zellulose nur bedingt kompostierbar.

Dem Gegenüberzustellen sind die vielen Vorteile der Zellulosedämmung. Die Zellulosedämmung zahlt zu den günstigsten Dämmstoffen auf dem Markt und ist zudem noch sehr umweltfreundlich in der Herstellung, da Recyclingmaterial verwendet wird und kann auch ebenso umweltfreundlich wieder entsorgt werden.. Zellulosedämmung ist sehr langlebig und wartet mit einer guten Schallisolierung auf.

Die Verarbeitung von Zellulosedämmung

Dafür kann der Naturdämmstoff aber nahezu ohne weitere Maßnahmen wiederverwendet werden. In der Form von Zelluloseplatten ist der Dämmstoff sehr elastisch und flexibel, jedoch physikalisch nur begrenzt belastbar. Obwohl es sich scheinbar um ein technisch sehr einfaches Produkt handelt, erfordert der Einbau, insbesondere beim Einblasen in Zwischenräume, ein hohes Maß an Fachkenntnissen und Erfahrungen. Andernfalls können schnell Hohlräume entstehen, die wie Wärmebrücken wirken.

Bei einer sachgemäßen Verarbeitung und der Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen besteht keinerlei Risiko während der Verarbeitung noch während des Dämmeinsatzes. Auch von der Druckerschwärze des recycelten Zeitungspapiers geht dabei keinerlei Gefahr aus. Auch die technischen Daten sprechen eindeutig für die Verwendung von Zellulosedämmung:

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,040 bis 0,045 Watt pro Meter und Kelvin
  • Wärmespeicherkapazität: 1.700 bis 2.150 Joule pro Kilogramm und Kelvin
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand μ: 1 bis 2
  • Rohdichte abhängig von der Verarbeitung: 30 bis 80 Kilogramm pro Kubikmeter
  • primärer Energiegehalt: 50 Kilowattstunden pro Kubikmeter
  • Entflammbarkeit abhängig von der Behandlung während des Herstellungsprozesses: normal oder schwer entflammbar

Einsatzbereiche und Anforderungen zur Anwendbarkeit der Zellulosedämmung

Aus den bereits genannten Eigenschaften sowie Vor- und Nachteilen ergeben sich konkrete Anwendungsmöglichkeiten. Zunächst beziehen sich diese auf die physikalische Konsistenz:

  • lose, trockene Zelluloseflocken werden zum Einblasen in Hohl- und Zwischenräume verwendet
  • lose, trockene Zelluloseflocken können als Schüttung verwendet werden
  • lose, mit Wasser verdünnte Zellulose kann aufgeblasen bzw. gesprüht auf stehenden und senkrechten Flächen werden
  • gepresste Zelluloseplatten werden verlegt, aber nur ohne nennenswerte Belastung. Um die Stabilität der Zellulosedämmplatten zu erhöhen, können andere Fasern, zum Beispiel Jutegarn, eingebracht werden.

Lose Zellulosedämmungen

Altpapierbündel

Aus Altpapier wird Zellulosedämmung gewonnen

Insbesondere die lose Verwendung als Dämmstoff ist aufgrund der Eigenschaften des Materials weit verbreitet. Sofern es sich um keine Kerndämmung handelt, kann die Zellulosedämmung daher in nahezu alle Hohlräume eingeblasen werden. Es können aber auch spezielle Hohlräume, zum Beispiel durch Holzvertäfelungen, geschaffen werden. Beim Dachboden isolieren wird das so angewandt, damit zwischen oder auf den Sparren (von innen) eingeblasen werden kann. Selbst Steildächer können so mit Zellulose wärmegedämmt werden.

Verwendung von Zellulosedämmplatten

Ansonsten ist das Einblasen in Zwischendecken ebenfalls ein übliches Verfahren. Gegenüber der Plattendämmung ist hier der Vorteil, dass ein Zwischenraum nicht aufwendig geöffnet und dann wieder verschlossen werden muss. Bei der Verwendung von Zellulosedämmplatten ist vor allem die geringe Belastbarkeit zu beachten. Dadurch ergeben sich die entsprechenden Einschränkungen bei den Anwendungsmöglichkeiten. Das lose Schütten von Zellulosedämmung kommt eher selten zum Einsatz. Während Kerndämmungen bedenklich sind, kann die Zellulosedämmung auch in Trockenbauwände eingebracht werden.

Die Zelluloseeinblasdämmung in der Praxis

Wie bereits angesprochen, handelt es sich bei der Einblasdämmung bei Zellulose um ein sehr einfaches Produkt. Das täuscht oft darüber hinweg, dass das Einblasen neben der Einhaltung der Sicherheitsstandards ein durchaus anspruchsvolles Fachwissen und bestenfalls langjährige Erfahrungen beim Einblasen voraussetzt. Einerseits gilt es zu verhindern, dass nicht gefüllte Zwischenräume entstehen, außerdem ist die Wärmedämmfähigkeit auch von der gleichmäßig hohen Einblasdichte abhängig.

Der Vorbereitungsaufwand ist gering, da keine Bauteile ausgebaut werden müssen wie beim Verlegen von Wärmedämmplatten oder beim Einbringen anderer Dämmstoffe wie zum Beispiel Schafwolle. Kleine Löcher, die gebohrt werden, reichen völlig aus. Doch müssen auch die Positionen der zu bestimmenden Einblaspositionen exakt stimmen, um keine ungefüllten Zwischenräume oder eine zu niedrige Dichte zu erhalten. Ansonsten ist das Einblasen von Zellulosedämmflocken ein verhältnismäßig schnell durchzuführender Prozess.

Kosten und Einsparpotenzial von Zellulosedämmung

In den mittel- und nordeuropäischen Ländern ist in etwa so viel ungelesenes Zeitungspapier bzw. Altpapier vorhanden, dass damit rund vier Fünftel des theoretisch möglichen Bedarfs an Zellulosedämmmaterial gedeckt werden könnten. Dazu kommt, dass der Rohstoff Altpapier ohnehin günstig ist und der weitere Herstellungsprozess sowieso den geringsten Primärenergiebedarf aller Naturdämmstoffe aufweist. Dazu kommt der geringe Aufwand, woraus auch ein deutlich geringerer zeitlicher Aufwand für das entsprechende Unternehmen resultiert. Letztendlich, um die gesamte Ökobilanz vollständig zu berücksichtigen, ist auch der Ausbau nicht sonderlich aufwendig und damit schnell durchzuführen.

Das wohl beste Preis-Leistungs-Verhältnis gerade bei ökologischer Betrachtung

Dazu kommt, dass die bereits verwendete Zellulosedämmung nahezu unbehandelt weiter verwendet werden kann. Damit sind die Kosten aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht so attraktiv wie bei kaum einer anderen Wärmedämmtechnik. Der gute Dämmwert der Zellulosedämmung sorgt zudem dafür, dass auch tatsächlich ein erheblicher Teil an Heizkosten eingespart werden kann. Damit ist die Zellulosedämmung, sofern durchführbar, in jeder Hinsicht für den Hausbesitzer bzw. Auftraggeber lohnend.

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