Vor wenigen Wochen sorgten heftige Starkregenfälle in mehreren Regionen der Schweiz erneut für überflutete Keller, blockierte Tiefgaragen und Rückstau aus der Kanalisation. Besonders in urbanen Gebieten wie Zürich, Basel oder Luzern meldeten Feuerwehren und Gebäudeverwaltungen zahlreiche Wasserschäden innerhalb weniger Stunden. Viele Betroffene berichten dabei von denselben ersten Warnzeichen: gluckernde Abflüsse, unangenehme Gerüche im Keller oder langsam ablaufendes Wasser. Symptome, die zuvor oft als harmlos eingeschätzt wurden.
Die aktuellen Ereignisse zeigen deutlich, dass Starkregen längst kein Ausnahmefall mehr ist, sondern für Gemeinden, Verwaltungen und Hauseigentümer zu einem immer relevanteren Risiko wird.
Gemäss Bundesamt für Umwelt (BAFU) und der Unwetterschadens-Datenbank der WSL verursachen Hochwasser und Starkregen in der Schweiz seit Jahrzehnten Schäden in Milliardenhöhe. Allein die dokumentierten Unwetterschäden seit 1972 belaufen sich auf über 17 Milliarden Franken. Besonders problematisch sind kurze, intensive Regenereignisse, bei denen die Kanalisation innert Minuten an ihre Belastungsgrenzen gelangt.
Von Rückstau spricht man, wenn Abwasser nicht mehr normal abfliessen kann und sich Druck in den Leitungen aufbaut. Bei Starkregen wird die öffentliche Kanalisation stark belastet. Gibt es zusätzlich Engstellen, Ablagerungen oder fehlende Rückstausicherungen, sucht sich das Wasser den Weg des geringsten Widerstands. Und dieser führt häufig direkt in Keller, Waschküchen oder Tiefgaragen.
Besonders gefährdet sind Bodenabläufe im Untergeschoss, da sie sich meist am tiefsten Punkt eines Gebäudes befinden. Schon kleinere Verstopfungen oder teilweise verschmutzte Leitungen können bei starken Regenfällen ausreichen, damit Wasser zurückgedrückt wird.
Gut zu wissen:
Viele Schäden entstehen nicht erst während des Gewitters selbst. Oft entwickeln sich Probleme über längere Zeit unbemerkt. Teilweise verengte Leitungen, verschmutzte Hofeinläufe oder fehlende Wartung fallen im Alltag kaum auf. Erst bei starkem Regen zeigt sich, wie empfindlich das gesamte Entwässerungssystem tatsächlich ist.
Fachleute beobachten immer wieder, dass erste Anzeichen ignoriert werden, weil sie harmlos wirken. Dazu gehören beispielsweise:
Gerade bei älteren Gebäuden sollten solche Hinweise ernst genommen werden. Häufig zeigen sie bereits an, dass Leitungen teilweise verengt oder verschmutzt sind.
Experten empfehlen Gemeinden und Eigentümern, Rückstauschäden möglichst früh vorzubeugen. Denn die Kosten einer präventiven Kontrolle liegen meist deutlich unter den Folgekosten einer Überschwemmung.
Zu den wichtigsten Präventionsmassnahmen gehören:
Schon einfache Kontrollen vor der Starkregen-Saison können helfen, grössere Schäden zu vermeiden.

Praktischer Tipp: Rückstausicherung regelmässig prüfen
Viele Gebäude verfügen zwar bereits über eine Rückstausicherung, doch diese wird im Alltag oft vergessen. Fachleute weisen darauf hin, dass Rückstauklappen regelmässig kontrolliert und gewartet werden sollten. Verschmutzungen oder blockierte Mechanismen können dazu führen, dass die Sicherung im Ernstfall nicht richtig funktioniert. Besonders nach starken Regenphasen oder bei älteren Gebäuden lohnt sich deshalb eine kurze Überprüfung durch Fachpersonen.
Fachleute weisen zunehmend darauf hin, dass Rückstauschäden nicht nur ein Wartungsproblem sind, sondern auch mit der Bauweise und Versiegelung von Flächen zusammenhängen. In dicht bebauten Gebieten kann Regenwasser immer schlechter natürlich versickern. Asphaltierte Vorplätze, Tiefgaragenzufahrten oder versiegelte Innenhöfe führen dazu, dass grosse Wassermengen innerhalb kürzester Zeit in die Kanalisation gelangen.
Immer mehr Gemeinden setzen deshalb auf begrünte Flächen, wasserdurchlässige Materialien oder moderne Entwässerungskonzepte, damit Regenwasser besser aufgenommen und zwischengespeichert werden kann.
Auch bei Neubauten spielt Prävention eine grössere Rolle. Rückstausicherungen, intelligente Entwässerungsplanung sowie regelmässige Kontrollen der Leitungen gelten zunehmend als Bestandteil nachhaltiger Gebäudeplanung und langfristigen Werterhalts.
Neben akuten Wasserschäden spielt auch der langfristige Werterhalt von Immobilien eine wichtige Rolle. Feuchtigkeit im Untergeschoss, wiederkehrende Rückstaus oder beschädigte Leitungen können langfristig hohe Sanierungs- und Folgekosten verursachen. Dazu zählen unter anderem Schimmelbildung, beschädigte Böden oder Korrosion an der Gebäudesubstanz.
Regelmässige Kontrollen der Kanalisation und Entwässerungssysteme gelten deshalb zunehmend als Bestandteil einer nachhaltigen Gebäudeunterhaltung. Fachleute empfehlen insbesondere bei älteren Immobilien, Leitungen periodisch überprüfen und bei Bedarf reinigen zu lassen, um spätere Schäden und hohe Sanierungskosten zu vermeiden. Mehr zum Thema präventive Kanalreinigung und Werterhalt von Immobilien erklärt dieser Überblick zur Kanalreinigung in der Schweiz.
Starkregen und Rückstau werden in der Schweiz zunehmend zu einem relevanten Thema für Gemeinden, Immobilienverwaltungen und Hauseigentümer. Viele Schäden entstehen nicht plötzlich, sondern kündigen sich frühzeitig durch kleine Warnzeichen an.
Umso wichtiger sind regelmässige Kontrollen, funktionierende Entwässerungssysteme und eine vorausschauende Planung. Denn auch wenn sich extreme Wetterereignisse nicht verhindern lassen, können Prävention und frühzeitige Wartung entscheidend dazu beitragen, Gebäude langfristig zu schützen und hohe Folgekosten zu vermeiden.