Hallo Nessio
Ich kann deine Situation ebenfalls nachvollziehen, ich befinde mich in einer ähnlichen Situation. Vor rund einem halben Jahr bin ich voller Euphorie in mein erstes Eigenheim gezogen. Leider habe ich bei der Besichtigung zu wenig auf die äusseren Faktoren geschaut, das Haus liegt an einer stark befahrenen Hauptstrasse und dazu noch im einem Bereich, in welchem 80 Km/h erlaubt sind! Der Vorbesitzer hat auf der einen Seite einen Teich angelegt mit einer Art Steinbrunnen, welcher über eine Umwälzpumpe, welche 7x24h läuft, betrieben wird. Das "Plätschern" des Wassers mag zu gewissen Zeiten den Strassenlärm tatsächlich etwas übertönen, vielleicht war das auch der Grund, weshalb er das dort gemacht hat. Mühsam ist die Sache natürlich im Hausinnern, vor allem im Schlafzimmer. Einerseits möchte man ja nicht das ganze Jahr über hinter geschlossenen Fenstern wohnen (gerade im Sommer ist es manchmal angenehmer, bei offenem Fenster zu schlagen), jedoch besteht die Problematik auch bei geschlossenen Fenstern. Ist das Fenster geschlossen, ist das Plätschern des Wassers nicht mehr hörbar, dafür aber der Lärm der Strasse, vor allem LKWs. Ich habe mir überlegt, neue Fenster mit Schallschutz einzubauen, aber da das Haus schon recht alt ist (etwa 70 Jahre), wird das nicht viel bringen, man müsste auch die ganzen Wände neu isolieren und hoffen, dass es dann besser wird. Auf der anderen Seite des Hauses ist zudem eine Bahnlinie, wobei ich sagen muss, dass mich diese weniger stört, es fährt dort pro Richtung jede halbe Stunde eine S-Bahn durch, Güterverkehr gibt es auf dieser Linie zum Glück keinen, aber hören tut man das natürlich auch. Die Bahnlinie ist eher ein störender Faktor, wenn man im Sommer draussen sitzt, extra auf der Seite, welche von der Strasse abgewandt ist, damit man eben den Strassenlärm nicht ertragen muss, dafür hat man dann die Züge.
Ich für meinen Teil habe gegen den Lärm einen eher radikalen Lösungsansatz gewählt und mich entschieden, das Haus wieder zu verkaufen und wieder von hier weg zu ziehen, anstatt viel Geld in lärmsenkende Massnahmen zu investieren ohne Gewähr, dass es dann auch wirklich besser wird. Zudem stimmen auch andere Faktoren (wie z.B. die Besonnung) für mich nicht. Es sind zu viele "äussere Faktoren" welche nicht verändert werden können, da bringen mir teure Umbaumassnahmen im Hausinnern wenig. Natürlich ist es im aktuellen Marktumfeld nicht einfach einen Ersatz zu finden, vor allem muss dieser auch finanziell tragbar sein. Ich habe auch schon in Betracht gezogen, halt wieder ein Objekt zu mieten und das Kapital, welches jetzt in der Liegenschaft steckt gewinnbringender an der Börse anzulegen (auch wenn mir mieten grundsätzlich gegen den Strich geht).
Hast du einen Verkauf den auch in Betracht gezogen? Oder hängst du zu sehr an deinem Objekt? Ich denke, mit einem Teich oder Brunnen, welcher immer am Plätschern ist, könntest du den Lärm zumindest teilweise etwas eindämmen, jedenfalls für den Aufenthalt im Freien. Im Innern bräuchte es wohl auch bei dir neue Fenster, eventuell aber auch eine Isolation der Wände. Eine Bepflanzung als Lärmschutz ist auch eine Möglichkeit, es müsste aber was ganzjähriges sein, da ansonsten im Herbst, wenn die Blätter abfallen, sich die Lärmsituation wieder zuspitzt.
Ich weiss aus den selber gemachten Erfahrungen, dass man als Betroffener vom Gesetz teilweise einfach im Stich gelassen wird. Einerseits gibt es in der Schweiz zwar gesetzliche Grundlagen für den Lärmschutz und Grenzwerte, andererseits machen es sich die zuständigen Kantone (wenn an der Kantonsstrasse) halt oftmals sehr einfach: Anstatt den effektiven Lärmpegel vor Ort zu messen, wird dieser Wert lediglich berechnet und dann erhält man auf seine Nachfrage hin, schnell einmal die Aussage "An Ihrem Standort sind die Grenzwerte nicht überschritten, daher werden keine Massnahmen getroffen und auch keine Beteiligungen z.B. an Lärmschutzfenster bezahlt". Ich kämpfe z.B. dass für mein Grundstück endlich eine Gutachten in Auftrag gegeben wird, inklusive amtlichen Messungen, welche das Überschreiten der Grenzwerte beweisen. Dann würde es aber wohl nochmals Jahre dauern, bis aus irgend einem Topf Geld kommt oder seitens des Strasseneigentümers andere geeignete Massnahmen wie z.B. neuer Belag, Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit oder so umgesetzt werden. Da ich wenig Hoffnung habe, dass da in absehbarer Zeit etwas passiert, habe ich den Kampf quasi aufgegeben und mich zum Wegzug entschieden, damit ich wieder meine Ruhe habe und vielleicht im Sommer auch mal wieder bei geöffnetem Fenster schlaffen kann.
Die Lärmempfindlichkeit ist nicht bei allen Menschen gleich und ich persönlich würde mich jetzt nicht als überempfindlich bezeichnen, aber ja es kann wirklich belastend sein, vor allem nervt man sich im Nachhinein, dass man einen derart wichtigen Punkt bei der Kaufentscheidung einfach nicht genügend beachtet hat. Das positive daran: Beim nächsten Mal weiss man, dass man diesen Fehler nicht ein zweites Mal machen sollte und schaut, bzw. hört genauer hin.