Angesichts der akuten Wohnungsnot ist mehr Fantasie gefragt.
Wohnraum in den Städten ist knapp. Das zeigt sich in nahezu allen großen Metropolen. Die Ursachen dafür sind vielfältig, doch die Leidtragenden sind die Menschen. Daher suchen Stadtplaner, Architekten und Politiker händeringend nach neuen Lösungen. Kreativität ist gefragt, wenn es darum geht, mehr Wohnungen zu bauen und diese der anstürmenden Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.
Angesichts der Wohnungsnot rücken daher immer mehr innovative Baukonzepte in den Blickpunkt der Verantwortlichen. Eines davon plädiert dafür, Wohnungen über den Bahngleisen zu errichten. Diese Idee folgt dem Motto: Oben wohnen, unten pendeln. Die Schweiz prüft jetzt erstmals, ob die Umsetzung dieser Idee möglich und realistisch ist. Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht dabei die Frage: Welche Hindernisse gilt es zu überwinden, um Wohnen über den Bahngleisen zu ermöglichen?
Internationale Vorbilder
Die Idee, Bahngleise zu überbauen, ist nicht neu, internationale Vorbilder kommen etwa aus den USA. In New York wurde das Projekt Hudson Yards über den Bahngleisen realisiert. Es beinhaltet nicht nur Wohnungen, sondern auch Büros und Geschäfte. Vergleichbare Projekte gibt es auch in Paris und in Stockholm, wo eine ähnliche Nutzung entstehen soll. Ist der bewohnbare Verkehrsknotenpunkt also ein Wohnprojekt der Zukunft?
In der Schweiz gibt es jetzt einen politischen Vorstoß durch den Urner FDP-Ständerat Josef Dittli. Er fordert vom Schweizer Bundesrat die Prüfung der Idee. Können Raumreserven über Gleisfeldern in städtischen Zentrumslagen erschlossen werden? Sein Ziel ist die Errichtung Tausender neuer Wohnungen an stark frequentierten Bahnhöfen wie jenem in Zürich. Das Potenzial dieser Idee ist zweifellos groß, doch ist sie auch realisierbar?
Bisher erwiesen sich die Hürden als zu groß
Der Politiker zeigt sich optimistisch. Er glaubt an Wohnungen für bis zu 150.000 neue Bewohner, wenn es gelingen sollte, die Gleise zu überdachen und verdichtete Gebäude zu errichten. Doch die Praxis muss erst noch nachweisen, dass sie der Theorie folgen kann. Schließlich ist die Idee nicht neu und wurde schon in der Vergangenheit in der Schweiz angedacht.
Doch bisher scheiterte die Realisierung solcher Wohnprojekte an den Zweifeln der Investoren. Sie fürchteten um die Rentabilität. Daneben gab es politischen wie gesellschaftlichen Widerstand. Rechtliche Unstimmigkeit und hohe Auflagen vonseiten des Denkmalschutzes brachten diese Projekte schlussendlich zum Scheitern.
Einer der entschiedensten Gegner ist der Architekt Philipp Esch. Er hat selbst bereits Erfahrung mit Bauprojekten in der Nähe zum Hauptbahnhof Zürich gemacht. Seine Erfahrungen lassen eine Umsetzung schwierig erscheinen. Esch berichtet von großen Herausforderungen, wie dem Lärm, den Erschütterungen und den elektromagnetischen Emissionen, die vorbeifahrende Züge ausstoßen.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, seien umfassende Sicherheitsvorkehrungen nötig, die erforderliche Technik sei aufwendig und teuer. Selbst die Materialkosten, die notwendig werden, um die Gleise abzudecken, wären ein großer Kostenfaktor. Damit stünden Aufwand und Kosten in keinem akzeptablen Verhältnis mehr. Esch plädiert vielmehr für die Verdichtung bestehender Bauflächen. Das sei nicht nur nachhaltiger, sondern auch wirtschaftlich sinnvoller.
Steht der Schweizer Pragmatismus im Weg?
Die Schweiz erweist sich seit jeher als pragmatisch. Investoren scheuen davor zurück, zu hohe Risiken einzugehen, und setzen lieber auf bekannte Bauweisen. Spektakuläre Visionen sind nicht eine Schweizer Eigenart. Das gilt selbst dann, wenn sich international ein anderer Weg als erfolgreich herausgestellt hat.
Das lässt sich auch am Thema Casinos beobachten. Dort beharrt die Schweiz auf ihrem Monopol für einheimische Betreiber, obwohl international betrachtet, ein Lizenz-Modell Vorteile für alle Beteiligten bringt. Dies gilt sowohl für Spielbanken als auch für das Netz. Ein Online Casino Bonus Schweiz motiviert daher lediglich einheimische Spieler, neue Märkte im Ausland sind ausgeschlossen. Eine Änderung der Gesetzeslage birgt wie jede Reform Risiken, daher kommt sie vorerst nicht infrage.
Ähnlich pragmatisch zeigt sich die Schweiz, wenn es um den Wohnbau geht. Wirtschaftliche Risiken sprechen ebenso gegen die Überbauung der Bahngleise, wie die Angst, den laufenden Bahnbetrieb zu stören. Da bleibt man lieber beim Altbekannten und sucht weiter nach Auswegen aus der Wohnungsnot.
Welche Lösungen bieten sich an?
Diese findet man derzeit auf leer stehenden Flächen neben den Schienen. So entsteht derzeit in Basel das Projekt Volta, das zum Preis von 200 Millionen Franken Wohnraum für rund 2.000 Personen schaffen möchte. Die Züge fahren nicht unter den Bauwerken, sondern daneben. Doch das Problem akuter Wohnungsnot bleibt weiterhin bestehen. Die Schweiz sucht daher händeringend nach Möglichkeiten, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Immerhin entsteht auch durch die hohen Energiekosten mehr Druck auf den Preis.
Das Bundesamt für Raumentwicklung setzt vorerst lieber auf eine Strategie der inneren Verdichtung. Ein Aktionsplan listet mehr als 30 verschiedene Maßnahmen auf, die das Wohnungsangebot erweitern sollen. Damit möchte man preisgünstige Wohnungen in bereits erschlossenen Lagen schaffen.
Doch das erweist sich mehr und mehr als technisches und finanzielles Problem. Davon abgesehen steigt der Widerstand in der Bevölkerung. Diese fürchtet eine eingeschränkte Lebensqualität wegen Lärm und der zu erwartenden Veränderung des Stadtbildes.
Visionäre Pläne bleiben also weiterhin eine Herausforderung. Die Risiken sind hoch, doch die Wohnungsnot erfordert neue Ansätze. Doch die Vorstöße von Verantwortlichen sind wichtig und nötig, um neue Perspektiven aufzuzeigen und eine Diskussion über die Zukunft der Planung anzustoßen. Schließlich erwarten Experten, dass sich das Problem des immer knapper werdenden Wohnraums in Zukunft weiter verschärfen wird.
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